Auszug aus:
Die Abendwaffel Band 1.
Der Sternenwanderer
Es war eines späten Abends im Hochsommer, als das Universum sich nach langer Zeit endlich geöffnet und sich dem Regen entgegengestellt hatte. Es war ein warmer Tag gewesen, und die Abendstunden brachten einen angenehmen, kühlen Wind mit sich, den die Welt so lange ersehnt hatte. Doch so schön der Sommer auch voranschritt, gab es etwas, das sich in der Umgebung ausbreitete, etwas Unerklärliches, etwas Sonderbares, aber auch etwas, über das niemand sprechen konnte. Es schien sich wie eine Glocke über die kleine Wohnsiedlung zu legen und sie von der Außenwelt abzuschneiden. Ein Mann mit einer schwarzen Jacke schritt eine Straßenecke entlang, als er bemerkte, dass die Straße völlig leer war. Es waren keine Menschen und keine Autos zu sehen, was zu dieser Uhrzeit keine Überraschung darstellte. Etwas lag in der Luft, und der Wind bot einen Vorgeschmack auf die ankommende Kälte. Eine Kälte, die nach und nach jeden Menschen in dieser Stadt erreichen sollte, war bereits auf dem Weg. Es dauerte nicht lange, bis der Mann vor einem großen Fenster stehen blieb, durch das man in einen weitläufigen Raum blicken konnte, in dem zu dieser Tageszeit viele Menschen saßen. Meist waren sie nicht allein; sie hatten jemanden bei sich, einen Freund oder eine Freundin, der für angenehme, manchmal auch unangenehme Gesellschaft sorgte.
Das beleuchtete Café hatte einen vorderen und einen hinteren Raum. Das Frontfenster schien das einzige zu sein, das tagsüber Licht spendete; nachts konnte man ohne Mühe die Menschen beobachten, die dort saßen und eine Mahlzeit zu sich nahmen. Der Mann mit dem schwarzen Schal hatte nicht die Absicht, das Lokal auszukundschaften. Doch in einem kurzen Moment der Unsicherheit fiel ihm eine Dame auf, die, wenn man durch das riesige Schaufenster blickte, auf der rechten Seite an einem Ecktisch saß. Sie hatte weder ein Getränk noch eine Speise vor sich. Entweder war sie gerade erst gekommen, oder sie wartete auf jemanden. Der Mann erstarrte einen Augenblick lang und entschloss sich dann, sich an den Rand der Straße unter eine Überdachung an einer Ecke zu stellen, von der aus er den Überblick über das gesamte Café hatte. Obwohl die nächsten zwanzig Minuten schnell vergingen, kamen sie ihm vor wie eine Ewigkeit, und es schien zunehmend kälter zu werden. Um diese Zeit kam niemand die Straße entlang. Denn es wäre sicherlich aufgefallen, wenn jemand in einer kühlen Sommernacht einen schwarzen Schal getragen hätte. Doch niemand fragte, es war niemand da. Die Straße blieb ruhig, und wirkte sicher. Das Café hingegen war gut besucht. Die Leute trafen sich dort mit anderen Menschen: zu Liebesaffären. Was der Mann mit dem schwarzen Schal beobachtete, hätte anderen Menschen Sorgen bereitet. Er jedoch begegnete dem Ganzen mit einer selbstverständlichen Gleichgültigkeit und sah zu, wie mehrere Personen das Café betraten. Zwei Männer und zwei Frauen gingen durch die Tür. Er kannte sie nicht, doch er spürte etwas, das er so noch nie empfunden hatte. Nach einer Weile, die Dame hatte offenbar gewartet, trat ein weiterer Mann durch die Tür. Er trug einen schwarzen Mantel und eine weiße Mütze, die nicht besonders auffällig wirkte.